23.09.2016 (Fr) 18:00 Uhr Boxhagener Platz/Grünberger Str.

Video-Kundgebung: Widerstand in Rojava/Kurdistan, in Gedenken an Ellen Jaedicke

ellen jaedicke rip 02. sept 2016

Die internationalistische Genossin Ellen ist am 02.09.2016 nach einem Jahr Krebsleiden gestorben. Sie war seit etwa 10 Jahren in der kurdischen Frauenbewegung aktiv und hatte u.a. die Kampagne "Tatort Kurdistan" mit ins Leben gerufen. In Gedenken an Ellen gibt es eine Videokundgebung auf dem Boxhagener Platz zum Widerstand in Kurdistan/Rojava, zu der auch die Grüni73 und der Stadtteilladen Zielona Góra aufrufen. Die Trauer in Kampf für eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und für Gerechtigkeit zu verwandeln, dafür hatte auch Ellen gelebt.


Sterk - Ellen ein Stern der niemals untergeht!

Wir gedenken Ellen Jaedicke und gestalten dazu einen Abend mit Foto- und Filmleinwand. Alle sind herzlich eingeladen. Wir wollen aus ihrem Leben erzählen und vom Kampf und Widerstand, für den sie sich mit aller Kraft und von ganzem Herzen eingesetzt hat. Wenn welche etwas beitragen möchten, freuen wir uns.

Wo? Boxhagener Platz/Grünberger Str.

Wann? am Freitag, den 23.09., ab 18 h

Wir wollen uns treffen und Ellen in unseren Herzen und unseren Kämpfen weiterleben lassen.

Es laden ein: FrauenRat Dest Dan, Kurdistan-Soli-Komitee, Azadi, Tatort Kurdistan, Nav Dem


Beitrag zu Ellen auf kurdistan.blogsport.de


Eine Brückenbauerin (jw, 16.09.2016)

Ellen Jaedicke, genannt »Sterk«, Feministin, Internationalistin und Mitgründerin der Kampagne »Tatort Kurdistan«, ist mit nur 40 Jahren verstorben. Ein Nachruf. Von Pelda Adar

Statt Blumen Spenden an die Frauenstiftung in Rojava, Stichwort ­Ellen/WJAR, Kurdistanhilfe e. V., Hamburger Sparkasse, IBAN: DE40200505501049222704, BIC HASPADEHHXX

Ellen Jaedicke, Kämpferin, Vordenkerin, Strategin und Organisatorin, wird fehlen. Sie starb am 2. September in Hamburg infolge einer Krebserkrankung (siehe jW vom 5.9.). Sie wuchs mit ihrem Bruder bei der aus Tschechien stammenden Mutter in Buxtehude auf. Früh schon engagierte sie sich politisch. In Berlin lebte sie einige Jahre in einem Frauenwohnprojekt und kam 2006 über ein Austauschprogramm nach Istanbul, wo sie, in Kontakt mit der kurdischen Bewegung, beschloss, für einige Zeit nach Kurdistan zu gehen. In Amed (Diyarbakir) unterrichtete sie ein halbes Jahr in der kurdischen Baglar-Frauenkooperative Englisch und fand, was sie immer gesucht hatte: ein kollektives Leben, die Perspektive eines starken Frauenbefreiungskampfes.

Nach ihrer Rückkehr engagierte sich Ellen wider den herrschenden politischen Zeitgeist im »Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin«. Gut vernetzt in der Berliner Linken gelang es ihr, Brücken zu bauen und Interesse für die kurdische Bewegung, den von ihr erstrebten und umgesetzten demokratischen Konföderalismus und den Kampf der Frauen zu wecken. 2009 organisierte Ellen zum ersten »Mesopotamischen Sozialforum« in Diyarbakir mit anderen das »Amed-Camp«. Etwa 200 Menschen aus mehreren europäischen Ländern kamen zusammen und diskutierten mit Aktiven der Jugend- und Frauenbewegung. Danach ging es unter anderem darum, die deutsche Beteiligung am schmutzigen Krieg gegen die Kurden öffentlich zu thematisieren und dagegen zu intervenieren. Zu diesem Zweck wurde die Kampagne »Tatort Kurdistan« mit den Schwerpunkten Rüstungsexporte, Umweltzerstörungen und Repression gegen Kurden in Deutschland gegründet.

Ellen brachte ein tiefes selbstkritisches Bewusstsein über ihre Rolle als westeuropäische Linke mit. Obwohl sie bei Treffen manchmal hart wirkte, war sie niemals unversöhnlich oder dogmatisch. Eine Kollegin von der Arbeiterwohlfahrt, wo sie ihren Lebensunterhalt verdiente, sagt: »Ellen hat es geschafft, prägend für andere zu sein. Und dabei hat sie sich selbst immer zurückgenommen, war so bescheiden, gemeinschaftlich und integrierend.«

Mit Begeisterung stürzte Ellen sich in zahlreiche Aktivitäten und nahm andere dabei mit. 2010 reiste sie erneut mit einer Gruppe von Frauen nach Kurdistan, um dort mit Vertreterinnen der Frauenbewegung über Perspektiven für eine internationalistische feministische Bewegung in Europa zu diskutieren. In der Folge entstand das kollektiv erarbeitete Buch »Widerstand und gelebte Utopien: Frauenguerilla, Frauenbefreiung und Demokratischer Konföderalismus in Kurdistan« (Mezopotamien Verlag), in dem Ideologie und Methoden der Kurdinnen für eine deutschsprachige Leserschaft zugänglich gemacht werden. 2012 erschien nach einer weiteren Delegationsreise die von »Tatort Kurdistan« herausgegebene Broschüre »Demokratische Autonomie in Nordkurdistan«.

Im Jahr 2012 ging sie für eineinhalb Jahre in die kurdischen Berge und nahm ihren kurdischen Namen Sterk (Stern) an. Als sie zurückkam, arbeitete sie zunächst im Kurdischen Frauenbüro für Frieden, Cenî, in Düsseldorf mit. Dort war sie an der Vorbereitung der ersten Konferenz in Europa zur ­Jineologie (Frauenforschung) beteiligt. Einige Zeit war sie auch in der kurdischen Frauenbildungsstätte Utamara in Kasbach-Ohlenberg (Rheinland-Pfalz) tätig. In Hamburg war sie Mitglied des kurdischen Frauenrates Rojbîn.

Sie begeisterte durch ihre strahlende und offene Art, ihre Fähigkeit zur Analyse und zum strategischen Denken. Ständig überlegte sie, wie die Ideen der kurdischen Frauenbewegung auch hierzulande in praktische feministische Organisierung umzusetzen wären. Gegen ihre Krankheit kämpfte sie bis zum Schluss. Wir werden sie vermissen.