15.05.2016 (So) 15:00 Uhr Karl-Marx-Platz

Palästina-Demo am Nakba-Tag durch Neukölln und Kreuzberg

[Bericht und Fotos auf Indymedia Linksunten von autonomen InternationalistInnen]

Foto

Verfasst von: autonome InternationalistInnen. Verfasst am: 16.05.2016 - 18:03. Geschehen am: Sonntag, 15. Mai 2016

Am 15. Mai 2016 fand in Berlin wieder eine Demonstration zum Gedenken an die NAKBA* - die gewaltsame Vertreibung der PalästinenserInnen 1948 - statt. Zur Demo hatte das Linke Palästina Bündnis Berlin aufgerufen, bis zu 500 Menschen verschiedener linker Gruppen beteiligten sich an der Demo durch Neukölln und Kreuzberg.

Die Breite des Spektrums zeigte sich auch in den Redebeiträgen, die u.a. von der Boykottkampagne BDS, dem linkspalästinensischen Verein Demokratisches Komitee e.V., der Jugendorganisation Revolution oder der Radical Queer Wagenburg KANAL verlesen wurden. Kurdische GenossInnen waren ebenfalls an der Demo beteiligt.

Beim Auftakt versuchten Pro-Zionisten, die auch die rechten israelischen SiedlerInnen verteidigen - den Auftakt der Demo durch Provokationen zu stören. Dabei wurden Personen die zur linken Demo wollten gewaltsam festgenommen, weil es angeblich eine Anzeige von den ProvokateurInnen gab. Die linken GenossInnen wurden aber nach kurzer Personenkontrolle wieder rausgelassen.

Auf der Wegstrecke gab es viele Parolen gegen Krieg und Vertreibung und für die Internationale Solidarität mit den linken Befreiungsbewegungen in Palästina, und der gemeinsamen Solidarität der linken Bewegungen in Kurdistan und Palästina. Außerdem gab es zweimal Provokationen durch rechte türkischstämmige Personen aus den Fenstern heraus mit "Graue Wölfe"-Grußzeichen (Graue Wölfe sind eine rechtsradikale Bewegung in der Türkei) und rechten Parolen, die mit linken türkischen Parolen gegen Faschismus beantwortet wurden.

Insgesamt aber waren diese Provokationsversuche aber lediglich Randnotizen, die Demo war eher ausgelassen und lautstark und fand viel Gehör und Zuspruch bei den Berliner PassantInnen - und die vielen Transparente zeigten die Vielfalt der Themen zum Anlass der Demo. Auch die Beteiligung der GenossInnen der queeren Wagenburg, wie das Transparent "Berlin Against Pink Washing" zeigen, dass wir aus den verschiedenen linken emanzipatorischen Teilbereichen gemeinsame Interesse im gemeinsamen Kampf für eine weltweite Befreiung haben. "Pink Washing" bedeutet in diesem Zusammenhang dass z.B. ein nationaler Staat - hier auf der Demo ist Israel damit gemeint - sich versucht mit queeren Themen in der Public Relation des Landes als sehr emanzipatorisch darzustellen um damit Menschenrechtsverletzungen und Folter zu vertuschen.

Zur BDS-Kampagne - Boykott Israel - wurde auf der Demo erklärt, dass diese sich an die damalige erfolgreiche weltweite Kampagne "Boykott Südafrika" anlehnt. Damals wurden durch weltweiten Druck die linken Bewegungen - vor allem der ANC - Südafrika unterstützt. Gegen rassistische Diskriminierung und Apartheid. Dieser Druck auf Israel, seine rassistischen, diskriminierenden Gesetze und insgesamt den weiteren Ausbau des Apartheidregimes zu beenden, soll mit der Kampagne fortgeführt werden, um damit die linken palästinensichen Bewegungen von außen zu unterstützen.

Weltweit waren rund um den 15.05.2016 zum Gedenken an die Nakba linke Gruppen solidarisch mit Palästina, gegen Kolonialismus und das rassistische Apartheidsystem Israels. Auch wir in Berlin unterstützen den palästinensischen Widerstand und antikolonialen Befreiungskampf! Für ein freies, solidarisches und selbstbestimmtes Palästina, in dem das gleichberechtigte Zusammenleben der Menschen aller Nationalitäten möglich ist!

LINKS

Redebeiträge auf der Demo (Audio)

Aufruf zur Demo

Nakba-Demo 2015 in Berlin



* NAKBA

Der 15. Mai 1948 gilt als Nakba-Tag. Die Vertreibung von über 750.000 Palästinenser*innen und die Zerstörung von ca. 400 Dörfern war die Grundlage für die Gründung des Staates Israel. Das zionistische Kolonialprojekt setzte die ethnische Säuberung der indigenen Bevölkerung Palästinas voraus. An dieses Verbrechen, die „Nakba“, arabisch für „Katastrophe“, wird jährlich erinnert. Bis heute dauert die Nakba an. Sie setzt sich fort durch rassistische Gesetze, Kolonienbau, Kriege, Ausbeutung, Hauszerstörungen, ungleiche Ressourcenverteilung und tausende politische Gefangene. Weltweit warten seit 67 Jahren inzwischen 6 Millionen palästinensische Geflüchtete und ihre Nachfahren, von denen die meisten noch immer in Flüchtlingslagern leben, auf die Rückkehr in ihre Häuser und werden von Israel daran gehindert.